» Früher Seehandel zwischen Südasien, Südostasien und China
Suvannabhumi - aus Sanskrit: suvarna „Gold“ und bhumi „Land“, sowie Suvarnadvipa - aus Sanskrit: suvarna „Gold“ und dvipa „Insel“, sind sanskritische Bezeichnungen für das „goldene Land“ oder die „goldenen Inseln“ östlich der bengalischen Bucht und finden sich schon in den buddhistischen Jatakas und im Ramayana[1] O.W. Wolters vermutet, dass das tatsächliche Vorkommen von Gold auf der malaiischen Halbinsel und Sumatra hierbei die Namensgebung und anfängliche Handelsmotivation zwischen Südasien und Südostasien bewirkt haben könnte. [2] In der tamilischen Erzählung Pattinappalai, welche wohl in den ersten Jahrhunderten n.Chr. entstand, wird schon von einem florierenden Handel zwischen Südindien und Kedah berichtet – also einem Ort an der Westküste der malaiischen Halbinsel. [3]
Auch der „Periplus des Erythräischen Meeres“ [4] , eine griechische Quelle aus dem 1. Jahrhundert n.Chr., welcher die damals bekannten Seehandelrouten beschreibt, berichtet von der Seefahrt südindischer Schiffe: "Diese Schiffe, welche die Reise nach Chryse und zum Ganges unternehmen werden genannt colandia und sind sehr groß" [5] . Bei den Griechen wurden die Länder östlich der bengalischen Bucht als Chryse bezeichnet.
Wenn schon die großen Schiffe aus Südindien Handel bis zur malaiischen Halbinsel betrieben, dürfte den indischen Händlern vermutlich auch damals schon Sumatra bekannt gewesen sein. Es kann also davon ausgegangen werden, dass spätestens seit dem ersten Jahrhundert n.Chr. Seehandel zwischen Indien, der Malaiischen Halbinsel und wahrscheinlich auch Insel-Südostasien betrieben wurde.
Dagegen hat sich der Seehandel zwischen China und Indonesien wahrscheinlich erst einige Jahrhunderte später entwickelt. Wolters nimmt hierbei an, dass vermutlich aufgrund des Einfalls von Reiternomaden im China des 3. und 4. Jahrhunderts, die traditionellen Handelsrouten in Zentralasien über Land teilweise nicht mehr nutzbar waren und deshalb der Seehandel immer wichtiger wurde. [6] Dieses führte zu einer Bedeutungszunahme Sumatras und der Südspitze der malaiischen Halbinsel, deren geostrategische Lage prädestiniert war, als Seehandelszentrum zwischen China und Indien zu fungieren.
[1] Wolters, O.W.: "Early Indonesian Commerce",S.32
[2] Wolters, O.W.: "Early Indonesian Commerce",S.63; siehe auch: Wheatley, Paul: “The golden Khersonese”, Oxford Univ Press, 1961,S.182: “...featured in early Indian folklore as an eastern eldorado where great riches might be won.”
[3] Wolters, O.W.: "Early Indonesian Commerce",S.32
[4] gr.: “Maris Erythraei”; engl: “Periplus of the Erythtrean Sea”
[5] Wolters, O.W.: "Early Indonesian Commerce",S.33
[6] Hall, D.G.E.: „A History of South-East Easia“,S.40


