Seit 441 n.Chr. finden sich in chinesischen Chroniken Aufzeichnungen über Tributzahlungen, welche von einem Land namens Kan-To-Li an China entrichtet wurden. [1] Solche Tributzahlungen an China waren eine notwendige Vorraussetzung, um überhaupt als Handelspartner der Chinesen akzeptiert zu werden. Es wird angenommen, dass sich dieses Kan-To-Li auf Sumatra befand und einen Vorgängerstaat von Srivijaya darstellte. Aus der Mitte des 7. Jahrhunderts berichten wieder chinesische Chroniken über 2 Staaten in Sumatra. „Two states in Sumatra are mentioned: `Mo-lo-yeou`on the east coast, which has been identified as Malayu, now Jambi, on the river Batang, and somewhat further south `Che-li-fo-che`, the Chinese form of the Sanskrit Srivijaya, at what is today Palembang.“ [2] Bei den beiden Staaten auf Sumatra handelte es sich also wahrscheinlich um Palembang und das etwas nördlicher gelegene Jambi.
Zwischen 671 und 685 n.Chr. reiste der chinesische buddhistische Pilger I-Tsing über den Seeweg von China nach Indien mit dem Ziel Nalanda und zurück. Auf der Hinreise blieb er 6 Monate in Srivijaya, um Sanskrit zu lernen, bevor er weiter nach Indien reiste. Auf seiner Heimreise von Indien 685 n.Chr. verbrachte er nochmals 4 Jahre in Srivijaya, um buddhistische Sanskrit-Texte ins Chinesische zu übersetzen. Er berichtet uns von Srivijaya (Fo-che): „In the fortified city of Fo-che, there are more than one thousand Buddhist monks whom spirit is only turned to study and good actions. They study all possible subjects like in India. Rules and ceremonials are identical. If a chinese monk wants to travel to India to listen and read Buddhist laws, he must stay in Fo-che during one or two years to learn how to behave properly. He could then pursue his travel to India.” [3] Außerdem berichtet er davon, dass Jambi während dieser Zeit in das Reich Srivijayas eingegliedert wurde. [4] Zu dieser Zeit scheint also eine Expansion von Srivijaya stattgefunden zu haben. Dem entsprechen auch die vier Inschriften, welche auf die Jahre 682-686 n.Chr. datiert werden können. Nahe Palembang, im Dorf Kedukan Bukit, wurde ein etwa 45 Zentimeter langer, etwas unförmig ovaler Stein gefunden, auf welchem sich eine relativ kurze Inschrift befindet, welche sich auf das Jahr 682 n.Chr. (Saka 605) bezieht. Die richtige Übersetzung und Interpretation dieser Kedukan Bukit Inschrift ist aufgrund der Kürze, der Vieldeutigkeit und den dürftigen Quellen aus dieser Zeit schwierig und umstritten. Während G.Coedes den Text noch als Beschreibung einer rituellen Prozession des Königs von Srivijaya deutete [6] , interpretiert P. M. Munoz den Text als Beschreibung der erfolgreichen Expansion Srivijayas gegen seinen nördlichen Konkurrenten auf Sumatra - Jambi. [7]
Auch in der Nähe von Palembang, in Talang Tuwo, wurde eine weitere, etwa 50 mal 80 Zentimeter und 14 Zeilen umfassende Inschrift aus dem Zeitraum 682-686 n.Chr. gefunden. Diese Talang Tuwo Inschrift beinhaltet nach van Ronkel [9] die Beschreibung der Gründung oder Stiftung eines Parks durch Sri Jayanasa. Dabei verkündet die Inschrift, dass dieser Park allen Menschen, Tieren und Pflanzen gewidmet sein soll, wobei die Beschreibung der Stiftung durch buddhistische Vorstellungen vom richtigen Handeln auf dem Weg zur Erleuchtung ergänzt werden.
Nahe der Stadt Jambi, nördlich von Palembang, wurde in Karang Brahi auf einem 78 mal 62 Zentimeter großen halb-abgerundeten Stein eine weitere Inschrift aus diesem Zeitraum gefunden. Diese ist interessanterweise mit dem Inhalt des Textes einer vierten Inschrift nahezu identisch, welche auf der Palembang vorgelagerten Insel Bangka, in Kota Kapur gefunden wurde. Dabei ist die Kota Kapur Inschrift auf einem 177 mal 32 Zentimeter großen, sehr gut erhaltenen Stein eingeschrieben. Der Inhalt dieser beiden Inschriften kann wie eine Warnung oder Anordnung gelesen werden, welche kurz zusammengefasst werden soll: Wer rebelliert oder Feinde von Srivijaya unterstützt, wer andere aufhetzt oder durch bösen Zauber beeinflusst, wer nicht ergeben und gläubig ist, wer allgemein zerstört und diesen Stein zerstört, soll bestraft und getötet werden. Aber diejenigen, welche dem Herrscher von Srivijaya ergeben sind, sollen mit ihren Familien gesegnet, ohne Krankheit und in ihrem Handeln erfolgreich sein.
Etwa 90 Jahre nach diesen bisher gefundenen vier Inschriften von Sumatra entstand im Jahr 775 n.Chr. die sogenannte Ligor-Stele. Diese wurde im Wat Sema Muang, etwas nördlich von Nakhon Si Thammarat auf der malaiischen Halbinsel entdeckt und bezieht sich auch auf Srivijaya. Die Vorderseite beschreibt in Sanskrit die Stiftung eines Mahayana Heiligtums durch den König von Srivijaya. Die Rückseite scheint unvollendet zu sein und huldigt einem siegreichen König mit dem Titel Sri Maharaja, welcher zur Familie der Sailendras gehöre. Es kann vermutet werden, dass beide Beschreibungen dem gleichen König gewidmet sind, was bedeuten würde, dass zu dieser Zeit auch ein König der Sailendra Dynastie in Srivijaya geherrscht hätte. [13] Die Dynastie der Sailendra ist ansonsten aber vor allem für Ihre Herrschaft auf Java im 8. und 9. Jahrhundert bekannt, während derer auch die buddhistische Tempelanlage von Borobodur erbaut wurde.
Es ist etwas irritierend, dass in China zwischen 742 und 904 n.Chr. keine Handelsmissionen von Srivijaya aufgezeichnet wurden. O.W. Wolters vermutet, dass das Aussetzen der Dokumentation von Missionen Srivijayas entweder etwas mit der Schwäche der chinesischen Tang-Dynastie zu tun haben könnte, oder aber die Handelsbeziehungen zwischen China und Srivijaya so selbstverständlich geworden waren, dass keine Handelmissionen mehr erforderlich waren. [14] Auch andere Quellen sprechen eher für den Fortbestand Srivijayas in diesem Zeitraum. In Nalanda, im damaligen Palasreich in Nordostindien, findet sich aus dem Jahr 860 n.Chr eine Inschrift, wonach der Sailendrakönig von Srivijaya Balaputra, in Nalanda ein Kloster für seine Mönche erbauen ließ. [15] Nalanda, wohin auch schon I-Tsing pilgerte, war ein Zentrum der buddhistischen Lehre in Indien und wurde von buddhistischen Pilgern aus China und Südostasien besucht.
Aus der Zeit der Mitte des 9.Jahrhunderts gibt es auch Schriften arabisch-persischer Geographen, welche von einem Maharaja von Zabag berichten, der über das maritime Land von Kalah und Sribuza herrsche. [16] Hierbei entspricht Kalah wahrscheinlich der malaiischen Halbinsel und Sribuza entspricht wahrscheinlich Sumatra. Die arabische Schrift "Mas`udi" von 955 n.Chr. spricht auch von einer enormen Bevölkerung und einer unzählbaren Armee des Königreichs dieses Maharajas. [17]
Das 10. Jahrhundert scheint auch durch einen andauernden Konflikt zwischen Srivijaya und Java gekennzeichnet gewesen zu sein. Chinesische Chroniken berichten aus dem Jahr 922 n.Chr. von der versuchten Intervention Javas in Srivijaya. [18] Die Ursache des Konflikts lag vermutlich in der Konkurrenz Javas zum Seehandelsmonopol Srivijayas. Anfang des 11. Jahrhunderts konnte Srivijaya durch einen militärischen Sieg über Ostjava und die Zerstörung des ostjavanischen Kratons [19] 1016 n.Chr. die Dominanz in der Region zunächst behaupten. [20]
Literatur:
-Coedes, George & Damais, Louis-Charles - Collected Studies "Sriwijaya - History, Religion, Language of an early malay polity", Royal Asiatic Society, Kuala Lumpur, 1992
-Diskul, Subhadradis (Hrsg.): "The art of Srivijaya", Oxford Univ Press, 1980
-Hall, D.G.E „A History of South-East Easia“, Macmillan, London, 1987 (1955)
-Kulke, Hermann „Indische Geschichte bis 1750“, Oldenbourg, München, 2005
-Kulke, Hermann & Rothermund, Dietmar „Geschichte Indiens“, Beck, München, 2006
-Marr, David G. & Milner, A.C. (Hrsg.) „Southeast Asia in the 9th to 14th Centuries“, Institute of Southeast Asian Studies, Singapur, 1986
-Munoz, Paul Michel "Early kingdoms of the Indonesian archipelago and the Malay peninsula", Didier Millet Singapore, 2006
-Wolters, O.W. "Early Indonesian Commerce", Cornell Univ Press, 1967
-Wolters, O.W. "A note on the capital of Srivijaya during the eleventh century", in: “Artibus Asiae. Supplementum Volume 23”, 1966


