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Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion
» Buddhismus und Politik in Kambodscha

6 Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion

1993 wurden unter Aufsicht der Vereinten Nationen Parlamentswahlen durchgeführt, wobei im Ergebnis eine Koalition aus der royalistischen „Front Uni National pour un Cambodge Indépendant“ (FUNCINPEC), der „Cambodian Peoples Party“ (CPP) sowie Teilen der „Buddhist Liberal Democratic Party“ gebildet wurde.43

Nach erneuten schweren Kämpfen 1995, zwischen den Regierungstruppen und den immer noch existenten Guerillatruppen der Roten Khmer, konnte 1996 endlich ein Friedensvertrag und Amnestieabkommen mit den übergelaufenen Truppenteilen Ieng Sarys abgeschlossen werden.44 Auch aufgrund des Streites über diese Amnestiepolitik kam es 1997 zum offenen Putsch der „CPP“ gegen die „FUNCINPEC“ in dessen Verlauf deren Premierminister Ranariddh und auch andere Mitglieder der Königsfamilie ins Exil gingen. Es folgte eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Anhängern Ranariddhs („FUNCINPEC“) und den Truppen Hun Sens („CPP“), welche Anfang 1998 durch einen Waffenstillstand beendet werden konnte. 45 Im selben Jahr wurden erneute Parlamentswahlen durchgeführt, aus denen diesmal die „CPP“ mit 64 Sitzen, auf zweitem Platz die „FUNCINPEC“ mit 43 Sitzen und auf drittem Platz die „Sam Rainsy Party“ mit 15 Sitzen herausgingen. Die beiden größten Parteien versuchten sich noch einmal in einer Koalition, an deren Spitze nun aber Hun Sen stand - und bis heute steht.

Diese Ereignisse wirkten sich auf den Sangha aus. Auch unter den Mönchen gab es politische Anhänger von „FUNCINPEC“ oder von der „CPP“, oder auch von der „Sam Rainsy Party“.  Das Ausmaß an Politisierung und die Bereitschaft zu politischem Engagement war im Sangha unterschiedlich ausgeprägt, und reichte von Passivität über verbale Parteinahme bis zu aktiver Beteiligung an politischen Aktionen. Nach einem versuchten Attentat auf den Vorsitzenden der gleichnamigen Partei Sam Rainsy,  kam es im September 1998 zu Demonstrationen, an denen sich auch zahlreiche Mönche beteiligten. Sie beschuldigten Hun Sen, für das Attentat auf Sam Rainsy verantwortlich zu sein. Die Regierung unter Hun Sen reagierte mit der Niederschlagung der Proteste. Dabei wurden mehrere Mönche getötet.46 Im Sangha selber war die Beteiligung an solchen politischen Aktionen umstritten. Es gab sowohl die Befürworter, welche solche Demonstrationen als ein für den Sangha und den Buddhismus akzeptables Mittel ansahen. Und es gab - offiziell jedenfalls - wohl auch Gegner solcher Aktionen, wie den buddhistischen Würdenträger Oum Som, welcher in Bezug auf die Demonstrationen vom September 1998 in einer Fernesehsendung sagte: „Monks from the provinces and pagodas of the city have attended illegal demonstrations with civilians. This is against the rules of Buddhism.“47 Wobei interessanterweise Ian Harris in seiner Veröffentlichung „Cambodian Buddhism“ zu diesem Zitat die Anmerkung schreibt, dass Ihm gute Quellen vorlägen, dass Oum Som zu dieser Aussage gezwungen wurde.48 Dieses lässt die Methoden der damals wie heute noch regierende CPP unter Hun Sen gegenüber dem Sangha sehr fragwürdig erscheinen.

Im Dezember des Jahres 2007 kam es in Phnom Penh zu Demonstrationen von Khmer Krom Mönchen49 , welche der vietnamesischen Botschaft eine Petition überreichen wollten, in der sie gegen die Verhaftung von Mönchen in Vietnam protestierten. Die kambodschanische Polizei ging gegen diese Mönche mit Schlagstöcken und Elektroschock-Geräten vor. „Human Rights Watch“ reagierte auf diese Ereignisse mit der folgenden Stellungnahme: „The Cambodian government should ensure the safety of Buddhist monks whom police attacked during a peaceful protest...on December 17, riot police violently assaulted with wooden and electric shock batons a group of 47 Khmer Krom Buddhist monks...”50


Alle Abschnitte:
1 Sihanouk und „Buddhistischer Sozialismus“
2 Lon Nol und „buddhistischer Neo-Khmerismus“
3 Pol Pot und „feudaler Buddhismus“
4 Vietnamesische Besatzung und Buddhismus „unter Aufsicht“
5 „Staatliche Rehabilitierung“ des Buddhismus
6 Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion