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Ganesha

Ganesha

Ganesha ist einer der beliebtesten indischen Götter. Jedes Jahr im September wird ihm zu Ehren das Vinayak Chaturthi Fest gefeiert. 

Ganesha ist der Beseitiger von Hindernissen und wird angerufen vor jeder Unternehmung - für den Sieg, für den Erfolg, für die Fruchtbarkeit. Er ist ein Gott der Klugheit, des Lernens und der Politik. Ganesha hat einen Elefantenkopf mit nur noch einem Stosszahn den anderen soll er bei der Abwehr der Axt des Parashurama verloren haben. Er hat oft einen Hängebauch und vier, sechs, acht oder auch mehr Hände und zwei - manchmal auch drei Augen. In den Händen hält er häufig eine Streitaxt, einen Lotus, eine Schale mit Süssigkeiten, ein Szepter, einen Dreizack, einen Stachelstock, einen Gebetskranz, eine Schlange oder eine Muscheltrompete.Ganeshas Reittier und Begleiter ist eine Maus oder Ratte.Man nennt Ganesha auch Ganapati oder Vinayaka.... 

Ursprünge von Ganesha
Die Veden stellen den ältesten Teil der zunächst mündlich und dann schriftlich überlieferten altindischen Mythologie dar. Die Zeit der Entstehung dieses "Kanons" wird auf etwa 1200 bis 500 vor Christus datiert. Die Veden enthalten Darstellungen der Götter, Beschreibungen der Rituale, Liedertexte, Geheimlehren und kosmologische Vorstellungen. Das Götterpantheon unterscheidet sich noch deutlich von jenem, wie es im heutigen Hinduismus ausgeprägt ist. Im Laufe der Entwicklung vom Vedismus über Brahmanismus bis zum heutigen Hinduismus gewannen oder verloren manche Götter an Bedeutung, andere verschwanden völlig und neue Gottheiten kamen hinzu. Die Bezeichnung "Ganesha" findet sich noch nicht in den vedischen Texten. In den zum Veda gehörenden Brahmanas und Aranyakas (etwa 800 bis 500 v.Chr.) ist jedoch schon die Rede von "dem- mit dem Stosszahn" oder auch "dem - mit dem gewundenen Rüssel". Hierbei handelt es sich vermutlich um die Beschreibung von Elefanten, jedoch wahrscheinlich noch nicht um Ganesha. Wahrscheinlich schon zu vedischen Zeiten wurden im süd- und südostasiatischen Raum Elefanten verehrt, gefundene Siegel und Münzen lassen auf einen Tier- und auch Elefantenkult schliessen.

Die ersten plastischen Darstellungen eines elefantenköpfigen Wesens stammen aus dem Satavahana-, Kushana- und Guptareich.. Dieser Zeitraum erstreckt sich von etwa 200 v.Chr. bis etwa 500 n.Chr.. Allgemein lässt sich für diese Zeit ein starkes Zunehmen plastisch-ikonographischer Darstellungen feststellen. Im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh wurde eine elefantenköpfige Terrakotta-Figur aus dieser Zeit gefunden. Diese Steinplastik aus Amaravati  steht in einer Gruppe mit anderen Figuren zusammen welche alle "zwergenhaft" wirken und "Stummelfüsse" haben. Diese mythischen Skulpturen - zusammen mit dem "Elefantenköpfigen" werden als Yaksas bezeichnet. Auch die an anderen Orten entdeckten Darstellungen des Elefantenköpfigen weisen auf die anfängliche Zugehörigkeit Ganeshas zu diesen Wesen der vedischen Mythologie. Die Yaksas gehören zu einer Klasse von zwergenhaften, erdgebundenen, halb-göttlich/ halb-dämonischen Wesen. Sie sollen unter der Erde im Himalaya leben und dort den Reichtum der Erde bewachen. Ihre Skulpturen wurden oftmals ain den Tempeleingängen platziert - an der Grenze zwischen der menschlichen und der göttlichen Welt. Sie haben alle dicke Bäuche und Stummelfüsse und werden angeführt von Kubera, dem Hüter der Schätze der Erde, dem Gott des Reichtums und des Wohlergehens. Auch in der buddhistischen Jataka-Literatur gelten diese Yaksas als dämonische Wesen, welche als Wächter die Reichtümer der Erde bewachen. Die Yaksas können den Menschen gegenüber wohlwollend sein -  oder auch nicht. Nicht-wohlwollende Yaksas bereiten den Menschen Hindernisse, sie sind Hinderniss-Bereiter - "vigna-karta".
Ähnlich wie die Yaksas gehören auch die Vinayakas zu dieser Klasse von halb-göttlich und halb-dämonischen Wesen. Sie können sowohl guten als auch schlechten Einfluss auf die Menschen haben. In Sutras aus dem dem 2. Jahrhundert vor Christus gibt es detailierte Beschreibungen, wie die Vinayakas positiv gestimmt werden können. In diesen Quellen werden noch vier Vinayakas mit Namen aufgeführt. In einem anderen Quelltext, dem sogenannten "Yajnavalkyasmrti" werden die zuvor vier Vinayakas dann nur noch als eine einzige Gottheit beschrieben. Von Shiva wird dieser eine Vinayaka als "Ganapati Vinayaka" bezeichnet. Unter diesem Namen wird auch der spätere Ganesha angerufen ! Sowohl Yaksas als auch Vinayakas können also Hindernisse bereiten oder Hindernisse aus dem Weg räumen. Und es ist möglich diese Wesen wohlgesonnen zu stimmen ,indem man Ihnen huldigt und bestimmte Riten vollzieht. Dann werden sie "vigna-harta" zu Hinderniss-Beseitigern. Dies scheinen Spuren zu sein, welche die frühen Zusammenhänge der mythologischen Kreation Ganeshas aufzeigen könnten. Ganesha begegnet uns plastisch zuerst bei den Yaksas und literarisch finden sich Verbindungen zu den Vinayakas. Yaksas ,Vinayakas und Ganesha gelten als die Hinderniss-Bereiter , welche durch Huldigung besänftigt werden und dann ihren positiven Einfluss wirken lassen. Dadurch werden sie dann zu Hinderniss-Beseitigern.

Ganesha in den Puranas
Die Puranas entstehen ab etwa 300 n.Chr. bis in das 16. Jahrhundert und sind sehr umfangreich. Dabei handelt es sich um Sammlungen der Göttergeschichten, Ritualvorschriften, metaphysische, theologische und kosmogonische Spekulationen und um moralische Vorschriften. Zahlreiche Puranas handeln von Ganesha. Viele der Geschichten in den Puranas werden in unterschiedlichen Varianten erzählt, so auch die Geschichten von Ganesha. (Die Shiva Purana erklärt dieses mit der hinduistischen Weltenlehre der Yugas, dass aufgrund der Unterscheidung zwischen verschiedenen Zeitaltern, die Geschichte Ganesha`s auch auf verschiedene Weise erzählt wird.)

Erschaffung von Ganesha durch Parvati
Der elefantenköpfige Gott gilt zumeist als Kreation des Götterpaares Shiva und Parvati. Am populärsten ist die Erzählung von der Erschaffung Ganesha`s durch Shiva`s Frau Parvati. Diese Variante wird von mehreren Puranas ähnlich erzählt. Die Shiva Purana berichtet: "Einmal nahm Parvati ein Bad, Shiva derweil bedrohte Nandin, welcher die Tür bewachte und nun ins Haus hineinging. Als diese schöne Frau, die Mutter der Welt, sah ihn ohne Warnung hineinkommen war sie sehr verlegen. Daraufhin beschloss Parvati folgendes....Ich sollte einen persönlichen Diener haben, einen Mann mit Fähigkeiten welcher mir gehorcht und niemand anderem.; jemanden der nicht von meiner Seite weicht. Als sie so dachte, formte sie aus dem Schmutz von ihrem Körper einen jungen Mann mit all den guten Fähigkeiten.:freundlich, gutgebaut, stämmig, verwegen und stark. Sie gab ihm viele Kleidungsstücke , Schmuck und Segnungen und sprach zu ihm "Du bist mein eigener Sohn. Hier gibt es keinen anderen der so nur zu mir gehört."
Parvati hatte hier also Ganesha als ihren Beschützer und Diener erschaffen. Als Shiva nun aus den Bergen nach Hause kam bewachte Ganesha das Haus: "Zu der Zeit kam der Herr zurück und wollte in sein Haus gehen. Aber Ganesha, der an der Tür stand liess ihn nicht hinein. Daraufhin wurde der Herr wütend und die beiden begannen zu kämpfen. Ganesha verletzte Shiva mit seiner Axt, aber der grosse Herr schwang seinen Dreizack und schlug ab Ganeshas Kopf. Als Parvati ihren Sohn fallen sah fing sie an zu schreien.....Als Shiva das sah, dachte er "Was habe ich falsch gemacht?" Shiva sah was er getan hatte und beauftragte seine ihm ergebenen Diener - die sogenannten Ganas, in nördliche Richtung zu gehen und dem ersten Wesen dem sie begegnen würden den Kopf abzuschneiden und zu Shivas Haus zu bringen. Die Ganas begegneten zuerst einem Elefanten, brachten seinen Kopf und dieser wurde nun Ganesha aufgesetzt. Shiva erkennt Ganesha nun als seinen Sohn an und machte ihn zum Anführer seiner Diener, seiner Herrscharen - den Ganas.

Erschaffung von Ganesha durch Shiva
In der Varaha Purana wird Ganesha direkt von Shiva erschaffen. Shiva befindet sich mit seiner Frau Uma (Parvati) am Mount Kailash im Himalaya. Und er fragt sich selber: Warum gibt es kein Ebenbild von mir in der räumlichen Welt ? Während er so denkt fängt er an zu lachen und aus seinem Mund nimmt ein Wesen Gestalt an welches zu einem Ebenbild Shivas wird. Shivas Frau sieht diesen erschaffenen jungen Mann und wird launisch. Daraufhin wird nun Shiva ärgerlich und beschliesst, dass sein Ebenbild einen Elefantenkopf tragen soll.

Zeugung von Ganesha durch Shiva und Parvati
Der Grossteil der Mythen berichtet jedoch, dass Shivas Frau Parvati Ganesha erschuf. Shiva in seiner Rolle als asketischer Gott steht auch für sexuelle Enthaltsamkeit. Somit scheint eine natürliche Geburt Ganeshas sowiso eher unwahrscheinlich. Nur wenige Mythen lassen diese Möglichkeit zu. Trotz dieser Einschränkung kann die Beziehung zwischen Shiva und Parvati als lustvoll betrachtet werden. Shiva konnte wohl seinen asketischen Idealen nicht immer Folge leisten. Dies wird in einem Südindischen Mythos deutlich. Shiva erzählt: "Ich und Parvati erholten uns einmal in den Wäldern des Himalaya um uns aneinander zu erfreuen. Wir sahen dort einen weiblichen Elefanten und einen männlichen Elefanten die sich gegenseitig beglückten. Das entfachte unsere Leidenschaft und wir beschlossen uns auch zu beglücken in der Gestalt von Elefanten. Ich wurde zu einem männlichen Elefanten, Parvati zu einem weiblichen.Und wir vergnügten uns, und als Ergebnis wurdest du geboren, mit dem Gesicht eines Elefanten."

Ausprägung der Mythologie
Die Vielzahl und Vielfalt der Mythen zu Ganesha zeigt das Anwachsen der Bedeutung dieser Gottheit für den Hinduismus an. Dabei haben sich manche Erzählungen durchgesetzt und das bis heute bestehende Ganeshabild geprägt. Wie vorhergehend dargestellt, macht Shiva Ganesha zum Anführer der Ganas. Sie sind eine Schar von gut- und auch böswilligen Kreaturen, die es vorziehen im tiefen Wald zu leben. Sie folgen Shiva nach, sind ihm treu ergeben und erfüllen seine Befehle. Hier findet sich wieder eine wahrscheinlich traditionelle Verbindung zu den schon dargestellten Yaksas und Vinayakas. Der sowohl gut- als auch böswillige Character dieser Wesen ist kennzeichnendes Merkmal von Yaksas, Vinayakas und auch Ganas. Ganesha entstammt göttlichen Wesen welche eher Hindernisse bereiten. Dies prägt seinen Status bis heute und ist Grund für die tagtäglich millionenfache Anrufung und Verehrung dieses Gottes. Denn nur durch die rituelle Huldigung Ganeshas werden die Hindernisse des menschlichen Lebens beseitigt. Neben diesen Geburtsmythen und funktionalen Aspekten Ganeshas geben die Puranas auch weitere Auskunft über Ganeshas Leben. So soll er auch nach dem Diktat des Weisen Vyasa das Mahabharata niedergeschrieben und im Kampf mit Parashurama einen Stosszahn verloren haben.


In Berlin ist derzeit der Bau eines Sri Ganesha Tempels geplant.
Ganesha Tempel Berlin


Literatur:
Brown, Robert L. (Hrsg.), "Ganesh: studies of an asian God", Albany: State Univ. of New York, 1992
Courtright, Paul B., "Ganesha: lord of Obstacles, lord of beginnings", 1. Indian ed. Motilal Banarsidass, Delhi, 2000
Pal Pratapaditya (Ed.), "Ganesh, the benevolent", Bombay: Marg Publications, 1995
Keilhauer, Anneliese, "Hinduismus", Stuttgart, 1986
Michaels, Axel, "Der Hinduismus", München, 1998 


Die grossen Götter Indiens - Hans Wolfgang Schumann -Der Hinduismus - Axel Michaels -Der Hinduismus - Vanamali Gunturu -Ganesha Goes to Lunch - Kamla Kapur -Eternal Ganesha - Gita Mehta -Indische Märchen und Götterlegenden