ISBN: 3458333592
Insel Verlag
2006 - kartoniert - 1194 Seiten - Zwei Bände
Nach der englischen Übertragung von Arthur Waley.
Aus dem Englischen von Herberth E. Herlitschka.
Wie sie geschrieben wurde um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung von Murasaki, genannt Shikibu, Hofdame der Kaiserin von Japan.
Dieses voluminöse Opus aus der Mitte der Heian-Zeit wird ganz oder teilweise der Hofdame Murasaki Shikibu (um 978 - 1014) zugeschrieben; da die heutigen Editionen jedoch auf Handschriften des 13. Jahrhunderts zurückgehen, ist der ursprüngliche Umfang unbekannt.
Der größte Teil des Werks - 41 von 54 Kapiteln - handelt vom Lebensweg des Helden Genji. Seine Eltern sind der regierende Kaiser und dessen Lieblingsnebenfrau; auch er selbst wird vom Vater bevorzugt, jedoch nicht zum Thronfolger bestimmt. So erklärt sich auch der Name Genji, der eigentlich "Herr Minamoto" bedeutet: So heißen die Angehörigen der Sippe, die aus den aus der kaiserlichen Hauptfamilie ausgeschiedenen Mitgliedern besteht. Da Genjis Mutter früh stirbt, erhebt der Kaiser eine ihr ähnliche Dame zur neuen Favoritin. Der heranwachsende Genji teilt diese Neigung: Er zeugt mit seiner Stiefmutter einen Sohn, der zum Thronfolger erkoren wird, da seine illegitime Geburt unentdeckt bleibt. Der unwiderstehlich schöne, begabte und feinsinnige Prinz "nimmt" eine Frau nach der anderen; seine hemmungslose Promiskuität führt zu einer gefährlichen Liaison und der Vertreibung ins Exil an das als trostlos empfundene Meer. Nach seiner Heimkehr in die Residenz erlebt Genji einen ungeahnten Aufstieg, da sein natürlicher Sohn den Thron besteigt. Der Tod seiner früh geehelichten, neben all den anderen immer geliebten Lieblingsfrau Murasaki no Ue verdüstert jedoch seine letzten Lebensjahre. Er stirbt 51-jährig. Die letzten 13 Kapitel befassen sich vor allem mit dem Schicksal seines vermeintlichen Sohnes Kaoru.
Die Faszination, die das Genji monogatari auf die Zeitgenossen nachweislich ausgeübt hat, erklärt sich aus seinen vielfachen Wirklichkeitsbezügen. Gewiss ließ sich das Werk als Schlüsselroman lesen; Verhältnisse und Skandale der beschriebenen Art charakterisierten die polygyne japanische Adelsgesellschaft. Mag der Held auch eher einem Idol oder einer Kunstfigur gleichen, erfunden zur erschöpfenden Demonstration erotischer Verstrickungen, so scheinen doch Spiegelungen historischer Persönlichkeiten wie des Kaisersohns Minamoto no Takaakira (914-982) und eine Parteinahme für die Minamoto-Sippe gegen den dominierenden Fujiwara-Clan erkennbar.
Für die Kulturgeschichte ist das Genji monogatari mit seinen präzisen Schilderungen von höfischen Festen, Unterhaltungen, Kostümen, Geräten usw. eine ergiebige Quelle; auch der Sprachforschung liefert es wertvolles Material für die Ausdrucksmöglichkeiten des höfischen Idioms im Bereich des Mitteljapanischen. Vulgärbuddhistischem Verständnis blieb das Werk fremd: Es wurde im 12. Jahrhundert als sündig verdammt. Umso enthusiastischer feierte der führende Vertreter der volkstümelnden Literaturdogmatik des 18. Jahrhunderts, Motoori Norinaga (1730-1801), das gefühls- und triebbetonte Verhalten Genjis als genuin japanisch.
W. N.
Insel Verlag
2006 - kartoniert - 1194 Seiten - Zwei Bände
Nach der englischen Übertragung von Arthur Waley.
Aus dem Englischen von Herberth E. Herlitschka.
Wie sie geschrieben wurde um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung von Murasaki, genannt Shikibu, Hofdame der Kaiserin von Japan.
Dieses voluminöse Opus aus der Mitte der Heian-Zeit wird ganz oder teilweise der Hofdame Murasaki Shikibu (um 978 - 1014) zugeschrieben; da die heutigen Editionen jedoch auf Handschriften des 13. Jahrhunderts zurückgehen, ist der ursprüngliche Umfang unbekannt.
Der größte Teil des Werks - 41 von 54 Kapiteln - handelt vom Lebensweg des Helden Genji. Seine Eltern sind der regierende Kaiser und dessen Lieblingsnebenfrau; auch er selbst wird vom Vater bevorzugt, jedoch nicht zum Thronfolger bestimmt. So erklärt sich auch der Name Genji, der eigentlich "Herr Minamoto" bedeutet: So heißen die Angehörigen der Sippe, die aus den aus der kaiserlichen Hauptfamilie ausgeschiedenen Mitgliedern besteht. Da Genjis Mutter früh stirbt, erhebt der Kaiser eine ihr ähnliche Dame zur neuen Favoritin. Der heranwachsende Genji teilt diese Neigung: Er zeugt mit seiner Stiefmutter einen Sohn, der zum Thronfolger erkoren wird, da seine illegitime Geburt unentdeckt bleibt. Der unwiderstehlich schöne, begabte und feinsinnige Prinz "nimmt" eine Frau nach der anderen; seine hemmungslose Promiskuität führt zu einer gefährlichen Liaison und der Vertreibung ins Exil an das als trostlos empfundene Meer. Nach seiner Heimkehr in die Residenz erlebt Genji einen ungeahnten Aufstieg, da sein natürlicher Sohn den Thron besteigt. Der Tod seiner früh geehelichten, neben all den anderen immer geliebten Lieblingsfrau Murasaki no Ue verdüstert jedoch seine letzten Lebensjahre. Er stirbt 51-jährig. Die letzten 13 Kapitel befassen sich vor allem mit dem Schicksal seines vermeintlichen Sohnes Kaoru.
Die Faszination, die das Genji monogatari auf die Zeitgenossen nachweislich ausgeübt hat, erklärt sich aus seinen vielfachen Wirklichkeitsbezügen. Gewiss ließ sich das Werk als Schlüsselroman lesen; Verhältnisse und Skandale der beschriebenen Art charakterisierten die polygyne japanische Adelsgesellschaft. Mag der Held auch eher einem Idol oder einer Kunstfigur gleichen, erfunden zur erschöpfenden Demonstration erotischer Verstrickungen, so scheinen doch Spiegelungen historischer Persönlichkeiten wie des Kaisersohns Minamoto no Takaakira (914-982) und eine Parteinahme für die Minamoto-Sippe gegen den dominierenden Fujiwara-Clan erkennbar.
Für die Kulturgeschichte ist das Genji monogatari mit seinen präzisen Schilderungen von höfischen Festen, Unterhaltungen, Kostümen, Geräten usw. eine ergiebige Quelle; auch der Sprachforschung liefert es wertvolles Material für die Ausdrucksmöglichkeiten des höfischen Idioms im Bereich des Mitteljapanischen. Vulgärbuddhistischem Verständnis blieb das Werk fremd: Es wurde im 12. Jahrhundert als sündig verdammt. Umso enthusiastischer feierte der führende Vertreter der volkstümelnden Literaturdogmatik des 18. Jahrhunderts, Motoori Norinaga (1730-1801), das gefühls- und triebbetonte Verhalten Genjis als genuin japanisch.
W. N.
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