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Kambodscha

Kambodscha

Flagge Kambodscha


Das Königreich Kambodscha hat etwa 14 Millionen Einwohner (etwa 90% Khmer, 5% Vietnamesen, 1% Chinesen, 4% Cham). Die Fläche erstreckt sich über 181.040 km² und die Hauptstadt mit etwa 2 Millionen Einwohnern ist Phnom Penh. Das Klima ist feuchtheiß und durch den Monsun geprägt. In Kambodscha wird die Sprache Khmer (Kambodschanisch) gesprochen. Etwa 95% der Bevölkerung sind Buddhisten in der Tradition des Theravada-Buddhismus. Der Name "Kambodscha" geht zurück auf Thai-Chroniken des 15. Jahrhunderts und ist wohl eine Pali-Form des angkorianischen "Kambuja" oder "kambujadesa" - was als "Nachkommen des Kambu" (mythischer Stammvater der Khmer) übersetzt werden kann.

Kambodscha ist heute eine konstitutionelle Monarchie, derzeitiges Staatsoberhaupt ist König Norodom Sihamoni. Das Parlament wird gebildet durch eine Nationalversammlung mit 123 Abgeordneten und einen Senat mit 61 Senatoren. Die derzeit regierende Partei ist die Cambodian Peoples Party (CPP) mit dem Regierungschef Premierminister Hun Sen. Kambodscha ist in 24 Provinzen gegliedert. Der Nationalfeiertag ist der 9. November (Unabhängigkeit 1953).

Angkor Kambodscha      Tonle Sap Kambodscha

Relativ wenig ist bekannt über das Leben und die Religion im alten Kambodscha vor dem Reich von Angkor. Älteste Hinweise auf einen Staat auf dem Gebiet des heutigen Kambodscha bieten uns chinesische Quellen des 3. bis 7. Jahrhunderts, welche von einem vereinten Königreich Funan berichten. Wahrscheinlich erstreckte sich so in den ersten Jahrhunderten n.u.Z. dieses Funan-Reich über das Gebiet des heutigen Kambodscha, des südlichen Laos und des südlichen Vietnams.

Das Königreich Funan wird häufig als Vorgänger des Reiches von Zhenla angesehen. Etwa ab dem 6. Jahrhundert waren auf dem Gebiet des heutigen Kambodscha kleinere Einzelstaaten entstanden, aus denen erstmals in Khmer und Sanskrit verfasste Inschriften erhalten sind. Die Inschriften in Khmer sind dabei zumeist an lebende Menschen gerichtet, die Sanskrit-Inschriften an die Götter. Eine der ersten Inschriften wurde in Angkor Borei gefunden und wird datiert auf etwa 611 n.u.Z..

Das Reich von Angkor, vom 9. bis in das 14. Jahrhundert ist heute vor allem durch seine beeindruckenden Tempelanlagen bekannt. Die Tempelkomplexe erstrecken sich über eine etwa 200 km² grosse Region nahe des heutigen Siem Rap im nordwestlichen Kambodscha. Hier befanden sich die Hauptstädte des Angkor-Reiches, welches über Jahrhunderte neben den Thai-Reichen und den burmesischen Reichen zu den Grossmächten Südostasiens zählte. Jayavarman II. gilt als der Begründer des Angkor-Reiches in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts.

Angkor Wat 1880     Bayon Gesichter

Anfang des 14. Jahrhunderts verbreitete sich mehr und mehr der Theravada-Buddhismus in der Region des heutigen Kambodscha. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das politische Zentrum von Angkor in den Süden Kambodschas verlagert (möglicherweise aufgrund des militärischen und politischen Drucks der Thai).

Kambodscha war nach dem Untergang Angkors über Jahrhunderte häufig ein Vasall Thailands und später auch Vietnams. 1863 erklärte die Kolonialmacht Frankreich Kambodscha zum Protektorat und einige Jahre später wurde Kambodscha Teil des neu geformten Indochina. Die französische Kolonialverwaltung betrachtete Vietnam als das Herz von Indochina, und Kambodscha mehr als ein Anhängsel. Viele Vietnamesen waren in der kambodschanischen Verwaltung des Landes angestellt. 1867 wurde in einer Vereinbarung zwischen Frankreich und Thailand die Hoheit über die Region Battambang und Siem Reap (mit Angkor) Thailand zugestanden Der nordwestliche Teil Kambodschas stand seitdem bis 1907 unter thailändischer Verwaltung, und so auch unter dem Einfluss des thailändischen eher rationalen und reformierten Buddhismus des Königs Mongkut

Kambodscha wurde seit seiner Unabhängigkeit 1953 durch die Abfolge verschiedenster politischer Systeme geprägt. Der erste Regierungschef und vorherige König Norodom Sihanouk propagierte eine Politik eines buddhistischen Sozialismus und bemühte sich um aussenpolitische Neutralität. Nach seiner Absetzung während einer Auslandsreise 1970 griff der rechtsgerichtete General Lon Nol aktiv auf Seiten der USA, Südvietnams und Thailands in den auf Kambodscha übergreifenden Vietnamkrieg ein. Nach der Einnahme Phnom Penhs 1975 durch die "Roten Khmer" unter Pol Pot wurde das Land durch die Ideologie und den Terror des Khmer-Rouge-Regimes traumatisiert. Nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen 1979 versuchte die vietnamesische Besatzung einen Sozialismus nach vietnamesischem Vorbild in Kambodscha aufzubauen. Im Verlaufe der Entspannungspolitik Ende der 1980er Jahre zog sich 1989 Vietnam aus Kambodscha zurück. 1993 wurden unter Aufsicht der Vereinten Nationen Parlamentswahlen durchgeführt.

Artikel zu Kambodscha:
Buddhismus und Politik in Kambodscha:
1 Sihanouk und „Buddhistischer Sozialismus“
2 Lon Nol und „buddhistischer Neo-Khmerismus“
3 Pol Pot und „feudaler Buddhismus“
4 Vietnamesische Besatzung und Buddhismus „unter Aufsicht“
5 „Staatliche Rehabilitierung“ des Buddhismus
6 Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion




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