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Lon Nol und buddhistischer Neo-Khmerismus
» Buddhismus und Politik in Kambodscha

2 Lon Nol und „buddhistischer Neo-Khmerismus“

Während einer Auslandsreise wurde Sihanouk 1970 durch das rechtsgerichtete kambodschanische Parlament abgewählt, und General Lon Nol übernahm die Macht in Kambodscha. Sihanouk ging ins Exil nach China. Aufgrund enger Kontakte mit der amerikanischen Regierung wird bis heute vermutet, dass diese Abwahl durch die USA inszeniert war. Unter Lon Nol war Kambodscha nicht mehr neutral und schloss sich nun den USA, Thailand und Südvietnam an. Kambodscha erklärte den Krieg gegen die Vietcong und die Nordvietnamesische Armee. Innerhalb weniger Tage begannen gemeinsame Angriffe der kambodschanischen, amerikanischen und südvietnamesischen Armee gegen Vietcong-Stützpunkte in Kambodscha.

Lon Nol war ein überzeugter, fanatischer Gegner der kommunistischen Bewegungen und sah diese als existenzielle Bedrohung für den Buddhismus an. “If communism comes, Buddhism will be completely eliminated11 . Er begündete seine Unterstützung des Kampfes gegen Vietcong und Nordvietnamesische Armee als eine Art religiöse Verpflichtung: „The current war in Cambodia is a religious war.12 . Sein Kampf war ein Krieg gegen die „Ungläubigen“: „...he came to see himself as uniquely capable of saving Cambodia from the “thmil”, or „unbelievers,“ as he called the Vietnamese…”13 . Lon Nols Fanatismus wurde begleitet von einem rassistischen, und wesentlich gegen die Vietnamesen gerichteten religiösen Nationalismus. Seine Vision eines „Neo-Khmerismus“ war die grenzüberschreitende Vereinigung aller ethnischen Khmer in einem buddhistischen, und dem Glanze und der Blüte des alten Angkor entsprechenden Staate.  „There are no more Khmer Krom, Khmer Kandal, Khmer Islam, Khmer Loeu, Lao Khmer or Siamese Khmer…There are only Khmer.“ “Neo-Khmerism will contribute to prolong the Buddhist era for five thousand years.”14   Wohl auch infolge solcher öffentlichen Äußerungen kam es zu Pogromen gegenüber den vietnamesischen Bevölkerungsteilen in Kambodscha. Zu besonders brutalen Übergriffen kam es 1970, als am 13 April in Chruy Changvar etwa 800 Vietnamesen erschossen wurden.15 Nach wenigen Monaten waren von ursprünglich etwa 65 000 nur noch etwa 7000 Vietnamesen in Kambodscha verblieben, der Grossteil war ermordet worden oder nach Vietnam geflüchtet. Lon Nol kommentierte diese Ereignisse mit zynischen Worten und zog zur Rechtfertigung wieder den Buddhismus heran: „For the present our Vietnamese brothers will have to return to South Vietnam…We must not do anything that contradicts Buddhism.“16

Lon Nol bemühte sich um die Unterstützung des Sangha für seine anti-kommunistische und antivietnamesische Politik und verfasste einen Brief an die beiden „Sanghareach“17 der beiden buddhistischen Orden, in welchem er Ihnen den Fortbestand des Buddhismus als Staatsreligion zusicherte. Die Unterstützung des Sangha für Lon Nol war jedoch beschränkt. Die Absetzung Sihanouks hatte im Sangha, insbesondere im Thommayut-Orden zunächst Ablehnung erzeugt, weil Sihanouk als ehemaliger König auch die traditionelle und legitime Bezugsperson für den Sangha war. Nur nach großen Bemühungen und der Ausübung von Druck, schaffte es Lon Nol schließlich, von den Vorstehern der beiden Orden eine Erklärung zu bekommen, in welcher Sie die vietnamesische „Vietcong-Aggression“ verurteilten.18

Der Krieg erfasste Anfang der siebziger Jahre immer weitere Teile Kambodschas. Es wird angenommen, dass zwischen 1970 und 1973 etwa 1/3 der buddhistischen Wats (etwa 1000) infolge der Kriegshandlungen zerstört wurden.19 Dieses hatte seine Ursache auch darin, dass die USA zwischen 1972 und 1973 etwa 310 000 Tonnen Bomben auf Kambodscha abgeworfen hatten.20 Dadurch, dass die Wats von Regierungstruppen und „Roten Khmer21 /Vietcong oft als Militär-Stützpunkte genutzt wurden, waren sie auch ein häufiges Ziel der amerikanischen Bombardements. Viele Mönche flüchteten aus den Kriegsgebieten und versammelten sich in den Wats der größeren Städte. Die Wats, vor allem in Phnom Penh, waren voll mit jungen Männern. Mönche, welche in den von den Roten Khmer eroberten Gebieten blieben und sich den Anweisungen der Roten Khmer widersetzten, wurden teilweise gefoltert und häufig auch ermordet.  Es wurden bereits „Umerziehungslager“ für sich widersetzende Mönche eingerichtet.22 Teilweise wurden die Mönche zu einer Teilnahme am Krieg gedrängt, „Ta Mok“23 ,  sprach 1972 vor einer Versammlung von ca. 3000 Mönchen und forderte Sie auf ihre Roben abzulegen und am Kampf teilzunehmen.24 Auch die Durchführung öffentlicher buddhistischer Rituale wurde bereits in einigen eroberten Provinzen verboten.


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3 Pol Pot und „feudaler Buddhismus“
4 Vietnamesische Besatzung und Buddhismus „unter Aufsicht“
5 „Staatliche Rehabilitierung“ des Buddhismus
6 Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion
1 Sihanouk und „Buddhistischer Sozialismus“
2 Lon Nol und „buddhistischer Neo-Khmerismus“