3 Mahathir bin Mohamad

1981 wurde Mahathir bin Mohamad zum neuen Premierminister Malaysias. Er übte dieses Amt für 22 Jahre bis 2003 aus und gilt bei vielen Malaysiern als Begründer der Modernisierung und des wirtschaftlichen Aufstiegs Malaysias. Mahathir hat die Politik Malaysias in den Jahren seiner Amtszeit entscheidend geprägt, wobei sein Führungsstil durchaus als autoritär bezeichnet werden kann. Sein Verhältnis zur Demokratie war ambivalent, er äußerte offen seine Vorbehalte gegenüber der Demokratie, welche in seinen Augen durch den Westen zum Ende der Kolonialzeit eingeführt wurde, und nicht den traditionellen asiatischen Werten und politischen Systemen entspricht. „Democracy is not the easiest way to govern a country. More often than not it fails to bring about stability, much less prosperity. It is disruptive because it tends to encourage sudden changes in policies and directions with each change in government.” [10]
Seit den 70er Jahren kam es im Zuge der „Dakwah“ [11] - Bewegungen in einigen Ländern Südostasiens zu einer zunehmenden Islamisierung der Gesellschaft. Dieser, in Malaysia als „Kebangkitan Islam“ bezeichnete „Aufstieg des Islam“ wurde Ende der 70er Jahre noch zusätzlich durch die islamische Revolution im Iran befördert. In den 80er Jahren stellte die islamische Partei – „Parti Islam SeMalaysia“ [12] – immer radikalere Forderungen zur Umsetzung islamischen Rechts in Malaysia. Die Islamisierung der Gesellschaft wurde durch die Islam - fördernde Politik der Barisan Nasional Regierung erleichtert. Auch unter Mahathir bin Mohamad wurde diese Förderung fortgesetzt, die Regierung versuchte sich jedoch von den radikalen islamischen Strömungen, insbesondere der „Parti Islam SeMalaysia“, zu distanzieren.
In den 90er Jahren änderte sich die grundsätzliche Ausrichtung der malaysischen Politik. Die starke staatliche Reglementierung durch die „New Economy Policy“ der 70er und 80er Jahre wurde durch eine pragmatischere und sich stärker an den Realitäten und Anforderungen einer zeitgemäßen Politik ersetzt. Die dabei formulierte „National Development Policy“ orientierte sich nun weniger an ethnischen Prioritäten und förderte stattdessen eine Deregulierung und Liberalisierung der Wirtschaft. [13] 1991 verkündete Mahathir das Programm „Wawasan 2020“ – „Vision 2020“, mit dem Ziel, Malaysia bis 2020 zu einer Industrienation zu entwickeln. [14] Die neue liberale Wirtschaftpolitik zeigte ihre Wirkungen. Der allgemeine Lebensstandard der Bevölkerung wuchs, die Mittelschicht nahm zu und die Bevölkerung entwickelte einen stärker auf Konsum orientierten Lebensstil.
Hinzu kamen in den 90er Jahren eine Liberalisierung des Bildungssystems und eine Förderung der englischen Sprache. Seit Ende der 80er Jahre wurde es zugelassen, dass an manchen Schulen auf Englisch unterrichtet werden durfte. Der „Education Act“ von 1996 ermächtigte auch den Bildungsminister, anstatt wie bisher nur auf malaiisch, nun auch Englisch in seinen Ansprachen und Publikationen zu verwenden. Ausländischen Universitäten wurde es gestattet, in Malaysia Vertretungen zu eröffnen. Von dieser kulturellen Öffnung profitierten besonders die in Malaysia lebenden Chinesen und Inder.
Weiterlesen:
4 Anwar Ibrahim und die Entwicklung von Protestbewegungen
5 Selbstverständnis und Handlungsweisen der Politik in Malaysia
6 Das Wahlsystem in Malaysia
1 Von der Unabhängigkeit bis zur Notstandsregierung
2 Starke Partei und starker Staat
3 Mahathir bin Mohamad


