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Myanmar - Burma in der Kolonialzeit 1
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1 Besatzung, Widerstand, Verwaltung und Militär

Burma wurde im Zuge dreier Anglo-Burmesischer Kriege  von den Briten kolonisiert. Die Expansionspolitik des burmanischen Königs Anfang des 19. Jahrhunderts hatte zu Konfrontationen mit Britisch-Indien geführt worauf die Briten mit der Besetzung burmesischer Gebiete reagierten. Im ersten Krieg 1824-26 besetzten die Briten mit der Britisch-Indischen Armee die Arakan- und Tenassarimküsteküste. Im zweiten Krieg 1852 Unterburma und im dritten Krieg 1885-86 wurde ganz Burma besetzt. Eine Kolonisation Burmas war von Briten ursprünglich nicht geplant gewesen. Zum Zeitpunkt der vollständigen Besetzung Burmas war Indien schon weit über 100 Jahre unter britischer Kolonialherrschaft. Von 1885 bis 1923 galt Burma als vierte Provinz Indiens (Madras, Bengal, Bombay, Burma). Alle größeren Entscheidungen über Burma wurden in dieser Zeit vom Governor-General of India getroffen.

Nach der britischen Besetzung Ober-Burmas 1885 kam es in den Folgejahren immer wieder zu Unruhen und Rebellionen. Dieser Widerstand gegen die Briten und die erwähnte Indische Armee wurde nicht zentral koordiniert – es waren eher kleinere Rebellen-Gruppen und lokale Führer die auf Wiederherstellung der traditionellen Machtverhältnisse hofften. Die Briten reagierten darauf mit militärische Aktionen, praktisch aber war der Erfolg gegen solche Guerilla-Einheiten eher gering. Die Folge waren kollektive Strafmassnahmen der indischen Armee, wobei teilweise ganze Dörfer niedergebrannt wurden. Dies führte wiederum zu Gegenreaktionen der Dorfbewohner, welche daraufhin Militärposten angriffen. Erst 1890 gelang es den Briten die Widerstände niederzudrücken. Nun begannen die Briten indische Einheiten wieder nach Indien zurückzuverlagern und zivile Verwaltungseinheiten aufzubauen. In Burma erfolgte der Aufbau der Administration nach indischem Vorbild. Diese “Transplantation” dieses sich in Indien über mehr als 100 Jahre entwickelten und nun in Burma von heute auf morgen eingeführtenVerwaltungsystems veränderte das Leben der Bewohner Burmas grundlegend. Die traditionellen sozialen nichts-staatlichen Formen der sozialen Kontrolle wurden außer Kraft gesetzt und durch die britisch-indische zentralistische Administration  ersetzt. Die Durchdringung und Kontrolle vieler ehemals autonomer Lebensbereiche der eingeborenen Bevölkerung trug sicher wesentlich zur  Störung der bestehenden Sozialstrukturen und kulturellen Traditionen bei.

Neben dem Verwaltungsaufbau legten die Briten höchsten Wert auf die innere Sicherheit welche zunächst durch die britisch-indische Armee gewährleistet werden sollte. Zusätzlich wurde eine Militärpolizei aufgebaut und versucht auf lokaler Ebene eine zivile Polizei einzuführen. Die Briten hatten Burma mit der Britisch-Indischen Armee erobert. Diese Armee bestand zum größten Teil aus Indischen Soldaten, nur in der Hierarchie standen die Briten ganz oben. 1887 betrug die Stärke dieser Armee in Burma etwa 40.500 Mann. Die Britisch-Indische Armee blieb während der gesamten Besatzungszeit die stärkste militärische Kraft in Burma. Der größte Anteil der von den Briten in Burma rekrutierten Soldaten war den ethnischen Minderheiten zugehörig. Schon in den Anglo-Birmanischen Kriegen hatten die Briten Angehörige der Minderheiten als Soldaten rekrutiert. So wurde im ersten Krieg 1824 eine Einheit Arakanesen gegen die Burmesen aufgestellt. 1833 wurden Mons rekrutiert zur Verteidigung Tenassarims. In den späteren Jahren des 19.Jh.  wurden Einheiten von Karen aufgestellt – so dass 1880 2/3 der indigenen Einheiten in britischen Diensten aus Karen bestanden. (Grund vielleicht Missionserfolge der Baptisten und damit verbunden engl.Sprache?).  Es wurden keine ethnischen Burmesen in die Armee aufgenommen obwohl sie 75% der Bevölkerung darstellten. Der Gesamtanteil  burmesisch ethnischer Gruppen in der britisch-indischen Armee war insgesamt immer relativ klein. Zum einen war es  für die Briten schlichtweg einfacher die ausgebildeten, englischsprechenden, loyalen indischen Truppen zu nutzen. Zum anderen hatte es 1857 in Indien einen Aufstand mit zigtausenden rebellierenden indischen Soldaten gegeben, welcher mit Mühe brutal niedergeschlagen wurde. Von da fingen die Briten an gezielt Minderheiten zu rekrutieren, weil sie so besser die Kontrolle behalten konnten.

Die Briten schafften es während ihrer Anwesenheit nicht, eine funktionierende Polizei aufzubauen. Nach dem 2. Anglo-Burmesischen Krieg war versucht worden, lokale Polizeikräfte aus der einheimischen Bevölkerung zu rekrutieren – diese waren jedoch unbewaffnet und anfangs auch nicht bezahlt. Die Autorität dieser Polizei unter der Bevölkerung war gering. In späteren Jahren wurde der  Polizeiapparat mehr zentralisiert mit hierarchischen Strukturen. 1886 wurde zudem eine Militärpolizei gegründet, deren Grösse und Bedeutung stark zunahm. Bis 1935 wuchs sie auf 9 Bataillone an und bestand grösstenteils aus Indern und ranghöheren britischen Offizieren. Es wurden auch Einheiten der Militärpolizie aus ethnischen Minderheiten wie den Karen aufgestellt, auch in die Militärpolizei wurden keine ethnischen Burmesen aufgenommen. Die Militärpolizei kam zum Einsatz als gut ausgerüstete Einheiten, wenn lokale Autoritäten machtlos waren – so z.B. bei ethnischen Konflikten oder Aufständen.

Hauptaufgabe des Militärs zur Kolonialzeit in Burma war die Innere Sicherheit. Die leichteste Herausforderung des kolonialen Systems provozierte automatisch den Einsatz bewaffneter Kräfte, also der Armee oder der Militärpolizei. Es bestand ein ungleiches Verhältnis zwischen militärischer und ziviler Autorität – zugunsten der militärischen. Somit wurde in der Bevölkerung eine Identifizierung von Staat und Militär bewirkt was Konsequenzen in der Beziehung von der Gesellschaft zum Staat nach sich ziehen sollte. Dieses Muster vom Eingreifen des Militärs in Aufgaben der Polizei hat sich bis in jüngere Vergangenheit fortgesetzt: wenn lokale Maßnahmen nicht mehr funktionieren sendet der Staat das Militär. Burma wurde zum gefährlichsten Gebiet des ganzen britischen Empires. Rangoon hatte die höchste Mörder-Rate aller Kolonialstädte. Steigende Kriminalitätsraten waren durch die Polizeikräfte nicht zu bewältigen. Als Gegenmaßnahme wurden Kollektivstrafen ausgeführt in der Form, dass Indisch dominierte bewaffnete Polizeieinheiten in Gebiete mit hoher Kriminalität verlegt wurden – die dort lebende Bevölkerung hatte Sondersteuern für den Unterhalt dieser Einheiten zu zahlen. Trotzdem stieg Kriminalität weiter. Mary Callahan nennt als Ursache der hohen Kriminalitätsrate das plötzliche Eindringen der modernen kapitalistischen Wirtschaftökonomie in das traditionelle, agrarische Burma und die so entstandenen sozialen Probleme.


Besatzung, Widerstand, Verwaltung und Militär
Entstehung der Nationalbewegung und der Tats
Der 2. Weltkrieg und die Japanische Invasion

Literatur:
Making Enemies
Mary P. Callahan: Making Enemies, Ithaca & London 2003
Roland Bless: Divide et impera ?, Stuttgart 1990
The State in Myanmar - Robert H. Taylor
Robert H. Taylor: The State in Burma, University Of Hawaii Press 1987



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