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Pol Pot und feudaler Buddhismus
» Buddhismus und Politik in Kambodscha

3 Pol Pot und „feudaler Buddhismus

Der buddhistische Sangha wurde von den Roten Khmer als feudalistisch und reaktionär angesehen. Ein Dokument der Roten Khmer von 1965 nimmt Bezug auf die etwa 70 000 buddhistischen Mönche in Kambodscha, welche „einen feudalen Einfluss auf die Bevölkerung hätten…“25 . Direkt nach der Machtübernahme26 wurden gezielte „Aktionen“ gegen den Sangha durchgeführt. In kurzer Zeit wurden 10 von 12 Mitgliedern der Tripitaka - Kommission hingerichtet und zahlreiche einflussreiche Mönche ermordet. Pol Pot verkündete 1975, dass der Status eines Mönches aufgelöst und die dann ehemaligen Mönche zum Reisanbau gezwungen werden sollten. Viele Mönche wurden zu weit entfernten Wats umgesiedelt und zu harter Arbeit gezwungen. Wie schon beschrieben, waren infolge der Kriegshandlungen viele Mönche in die Wats der Städte geflohen. Nun wurden sie gezwungen die Städte wieder zu verlassen. Die Roten Khmer unterschieden zwischen den städtischen und ländlichen Mönchen. Die städtischen Mönche galten Ihnen im Vergleich zu Mönchen aus ländlichen Gebieten als besonders reaktionär und wurden stärkeren Repressionen ausgesetzt. Es wird davon berichtet, dass die buddhistische Kathina-Zeremonie, in welcher die Mönche nach dem Ende der Regenzeit  Ihre Roben erhalten, von den Roten Khmer umfunktioniert wurde. Sie wurden dabei gezwungen, aus Ihrem Orden auszutreten, und erhielten anstatt der Robe die Kleidung der Roten Khmer - schwarze Hose und schwarzes Hemd.27 Ende 1975 waren nahezu alle Wats geschlossen. Den Laienanhängern wurde es verboten, den Sangha weiter traditionell zu unterstützen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 63 % der Mönche in der Zeit der Roten Khmer starben bzw. ermordet wurden.28 Nach vier Jahren des sogenannten „Democratic Campuchea“ war die Zahl der Mönche 1979 nur noch minimal. Diese Vernichtungsstrategie gegenüber dem Sangha und der buddhistischen Tradition verdeutlicht die schwer vergleichbare menschenverachtende Radikalität der ideologischen „Visionen“ der Roten Khmer. Es ist anzumerken, dass sich diese radikale Ideologie erst in den sechziger Jahren ausgeprägt hatte, und es bemerkenswert ist, dass Saloth Sar und andere Mitglieder der Roten Khmer in jüngerem Alter eine buddhistische Vergangenheit hatten.29

Angesichts der Tatsache, dass der Sangha den Roten Khmer als feudale Gefahr galt, ein Grossteil der Mönche ermordet und die praktische Ausübung religiöser Rituale verboten wurde, kann hier der Begriff von politischer Instrumentalisierung nicht verwendet werden. Das Verhalten der Roten Khmer gegenüber dem Sangha kann nur als systematische und ideologisch begründete Vernichtung des Buddhismus beschrieben werden.
Der Buddhismus in seiner institutionalisierten Form war als eine unmittelbare Folge der Herrschaft des Pol-Pot-Regimes liquidiert.“30


weiterlesen:
4 Vietnamesische Besatzung und Buddhismus „unter Aufsicht“
5 „Staatliche Rehabilitierung“ des Buddhismus
6 Der Sangha zwischen Tradition und politischer Aktion
1 Sihanouk und „Buddhistischer Sozialismus“
2 Lon Nol und „buddhistischer Neo-Khmerismus“
3 Pol Pot und „feudaler Buddhismus“