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Politik in Malaysia
» Politik in Malaysia seit der Unabhängigkeit

1 Von der Unabhängigkeit bis zur Notstandsregierung

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bildeten sich, in dem noch durch die Briten besetzten Malaysia, ethnisch getrennte, politische Parteien heraus. Die Nationalbewegung der Malaien, gründete die „United Malays National Organisation“ (UMNO), die Chinesen gründeten – auch in Abgrenzung zur chinesischen kommunistischen Bewegung die „Malayan Chinese Association“ (MCA) und die Inder den „Malayan Indian Congress“ (MIC). Diese Parteien einigten sich, auch unter britischem Druck, über die Grundlagen einer gemeinsamen Politik. Auf Basis dieser Vereinbarungen verhandelten die Führer dieser Parteien mit den Briten die Unabhängigkeit. Malaysia wurde am 31. August 1957 unabhängig und Tunku Abdul Rahman [1] der erste Premierminister. Mit der Bildung einer gemeinsamen Koalition aus UMNO, MIC und MCA unter dem Namen der „Alliance“ sollte die beschlossene Politik umgesetzt werden. Das gemeinsame Programm der Koalition sah vor, dass der Islam die offizielle Religion, Malay die nationale Sprache und der traditionelle malaiische König das Staatsoberhaupt sein sollte. Den ethnischen Malaien wurden zwar besondere Rechte zugestanden, aber auch die in Malaysia lebenden Minderheiten wie Chinesen oder Inder, sollten ihre Sprache, Kultur und Religion frei ausüben und ihren wirtschaftlichen Interessen nachgehen können. [2]

Das gemeinsame Programm der „Allianz“ war in Malaysia aber auch umstritten. Auf der einen Seite gab es Malaien, welche eine noch stärkere Bevorzugung der ethnischen Malaien forderten. [3] Sie waren der Auffassung, dass die malaiische Kultur auch von den Nicht-Malaien übernommen werden müsste, und dass diese auch nicht die volle Staatszugehörigkeit Malaysias erhalten sollten. Auf der anderen Seite bestanden einige ethnische Nicht-Malaien, auf einem „Malaysischen Malaysia“, forderten die gleichen Rechte für ihre Sprache, Kultur und Religion und lehnten eine Bevorzugung der ethnischen Malaien ab. Diese unterschiedlichen Vorstellungen führten in den 60er Jahren zu einer Verschlechterung der ethnischen Beziehungen, welches in den ethnischen Unruhen 1969 seinen Höhepunkt fand. Das parlamentarische System wurde daraufhin für zwei Jahre ausgesetzt und eine Notstandsregierung [4] übernahm vorübergehend die Regierungsgeschäfte.

Weiterlesen:
2 Starke Partei und starker Staat
3 Mahathir bin Mohamad
4 Anwar Ibrahim und die Entwicklung von Protestbewegungen
5 Selbstverständnis und Handlungsweisen der Politik in Malaysia
6 Das Wahlsystem in Malaysia



[1] Tunku Abdul Rahman wird auch als „Vater der Unabhängigkeit“ bzw. „Vater Malaysias“ bezeichnet.
[2] Loh Kok Wah, Francis, in: Loh Kok Wah, S.21
[3] Diese Bewegung wird malaiisch als „Ketuanan Melay“ bezeichnet.
[4] „National Operations Council“
[5] Diese Neuausrichtung wurde wesentlich von den Mitgliedern der UMNO – Partei beschlossen.
[6] Die Erhöhung der Machtkonzentration in der UMNO - Führung bedeute auch eine Entmachtung kleinerer Parteiführer in der Provinz. Diese waren nun noch abhängiger von den zentralen Vorstellungen und Anweisungen der Parteispitze. Dieses trug wiederum dazu bei, dass kleine engagierte Parteimitglieder nur sehr schwer Veränderungen oder Reformen durchsetzen konnten, was seine Auswirkungen in der Zunahme von Korruption und Nepotismus in Malaysia hatte. (Puthucheary, Mavis, in: Puthucheary, Mavis & Othman, Norani, S. 8)
[7] Loh Kok Wah, Francis, in: Loh Kok Wah, S.25
[8] „Affirmative Action“ wird auch als „positive Diskriminierung“ bezeichnet.
[9] „Bumiputra“, von Sanskrit: „Bhumiputra“, entspricht: „Söhne der Erde“
[10] Mahathir 1995, in: Khoo Boo Teik, in: Loh Kok Wah, S.57
[11] „Dakwah“ – „Der Ruf“ (des Islam)
[12] Die Partei „Parti Islam SeMalaysia“ (PAS) hat Ihre Anhängerschaft vor allem in den nördlichen Provinzen Malaysias, an der Grenze zu Thailand.
[13] Loh Kok Wah, Francis, in: Loh Kok Wah, S.42-43
[14] Das Projekt „Wawasan 2020“ teilte sich in ca. 70 Unterprojekte und beinhaltete unter anderem: Forschungsentwicklung, große Bauprojekte wie Staudämme, die touristische Erschließung und die Elektrifizierung des Landes.
[15] Anwar Ibrahim war Mitglied der UMNO und hatte in den 80er Jahren bereits mehrere Ministerposten besetzt. Seit 1993 war er der stellvertretende Premierminister Malaysias und wurde als Favorit in der Nachfolge Mahathirs gesehen. Anwar äußerte auch seine Abneigungen gegen die im Rahmen der „Vision 2020“ geplanten Großprojekte Mahathirs.
[16] „Keadilan“ – auch: „People`s Justice Party“
[17] Insbesondere die Benzinpreise waren sehr stark angestiegen.
[18] Khoo Boo Teik, in: Loh Kok Wah, S.51
[19] Lee Kuan Yew war von 1959 bis 1990 Premierminister von Singapur
[20] Khoo Boo Teik, in: Loh Kok Wah, S.54
[21] Mahatir, 1995, in: Loh Kok Wah, S.59
[22] Khoo Boo Teik, in: Loh Kok Wah, S.52
[23] Der „Sedition Act“ wurde 1971, infolge der ethnischen Unruhen von 1969 geschaffen und soll gegen Personen eingesetzt werden, welche z.B. in ihren Reden gegen die Regierung hetzen oder Zwietracht zwischen den verschiedenen Ethnien hervorrufen.
[24] Schon bei den ersten Parlamentswahlen 1955 konnte die damalige “Alliance” 52 der 53 Sitze gewinnen. (Ufen 1, S. 167)


Literatur:
-Hooker, Virginia Matheson „A short history of Malaysia“, Allen & Unwin Publishers, Victoria, 2003
-Loh Kok Wah, Francis „Democracy in Malaysia“, Nordic Institute of Asian Studies, 2002
-Milne R. S., Mauzy Diane K. „Malaysian Politics Under Mahathir”, Routledge, 1999
-Puthucheary, Mavis & Othman, Norani (Editors) “Elections and Democracy in Malaysia”, Kuala Lumpur, 2005
-Ufen, Andreas „Islamisierung in Malaysia 1-3“, Südostasien Aktuell 2/02, 9/02, 1/03
-Weiss, Meredith L. „Protest and Possibilities – Civil Society and Coalitions für political change in Malaysia“, Stanford University Press, 2006