ISBN: 3506713612
Schoeningh Ferdinand Verlag
2009 - gebunden - 435 Seiten
Zahlreiche Abbildungen
Vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Einer der besten Kenner der sibirischen Geschichte beschreibt in diesem Buch die ereignissreiche Geschichte von über 400 Jahren. Angefangen mit den Kosaken Jermaks, welche im Dienste russischer Kaufleute als Speerspitze der Eroberung in die noch unbekannten Weiten jenseits des Urals vorstießen, und setzt sich über die Kolonisierung, Erforschung und Erschließung des vielgestaltigen Landes fort bis in die Gegenwart, in der Sibirien immer größeres Interesse auf sich zieht. Schon das Wort Sibirien ruft viele Assoziationen hervor: man denkt an unberührte, wilde Natur, Steppen, endlose Weite - achteinhalb Tage fährt die Transsibirische Eisenbahn die fast 10.000 Kilometer von Moskau bis Wladiwostok. Gleichzeitig verbinden sich mit Sibirien aber auch bedrückende Gedanken an Verbannung, Straflager und Zwangsarbeit - nicht ohne Grund ist Sibirien als »das größte Gefängnis« der Welt bezeichnet worden.
Sibirien ist auch reich an Bodenschätzen, vor allem Erdöl und Erdgas, Steinkohle, Gold und Diamanten. Bevor sie Sibirien zur Schatzkammer des Russischen Reiches machten, erwies sich ein anderer Schatz der Natur als ein Magnet von besonderer Anziehungskraft: die zahlreichen Pelztiere. Er war einer der stärksten Anreize für die Eroberung Sibiriens durch die Russen, welche im späten 16. Jahrhundert in der Regierungszeit Ivans IV begann.
Seit dem ersten Vordringen gehörten der zivilisatorische Anspruch, die vorgegebene Überlegenheit der Russen als eine Rechtfertigung der Eroberung. Sibirien galt schon bald nicht mehr nur als eine besetzte Kolonie, sondern als Bestandteil des Russischen Reiches. Gelitten unter der Kolonisierung haben vor allem die Ureinwohner Sibiriens, die zahlenmäßig zu klein und zu schwach waren, und aus zu vielen unterschiedlichen Volksgruppen bestanden, um sich erfolgreich widersetzen zu können. Dieses Spannungsverhältnis zwischen russischer Eroberung und den Lebensbedingungen und Überlebensstrategien der indigenen Bevölkerung ist auch ein zentrales Thema des Buches.
Ein weiteres großes Thema ist die industrielle Erschließung und Ausbeutung des Landes, die in der sowjetischen Zeit ohne jede Rücksicht auf Mensch und Natur bis zum Äussersten fortgesetzt wurde, ein Raubbau, welcher in seiner bis heute fortwirkenden Gigantomanie eine beeindruckende und reiche natürliche Umwelt an den Rand der völligen Zerstörung getrieben hat. Das bedrohte Naturwunder des Baikalsees ist ein Beispiel dafür.




