Verwaltungsreformen Britisch-Indien 1892-1935
Council of India Act 1892
1892 wurde vom britischen Parlament ein „Council of India Act" erlassen, welches die Anzahl der vom „Governor-General“ zu bestimmenden Mitglieder des Councils auf 10-16 Personen erhöhte. [5] Weiterhin besaß jedoch der „Governor-General“ ein Vetorecht und konnte somit die Entscheidungen des Rates maßgeblich beeinflussen. [6]
Council of India Act 1909
Mit der verwaltungstechnisch begründeten Teilung Bengalens durch die britische Kolonialverwaltung, war es 1905 zu größeren Unruhen gekommen, welche sich offen gegen die Politik der britischen Kolonialmacht gerichtet hatte. Der „Council of India Act“ von 1909, die so genannten „Minto-Morley Reformen“ [7] , sollten auch diese Unruhen beruhigen und die wachsende Nationalbewegung Indiens zufrieden stellen. [8] Die Anzahl der Mitglieder im „Council of India“ wurde erneut angehoben. Außerdem wurden nun auch Inder für die Wahl zu den gesetzgebenden Versammlungen zugelassen. Bis dahin konnten Inder in solche Gremien nur berufen werden. Ein weiterer Beschluss des Gesetzes war ein Zugeständnis an die „All India Muslim League“, mit der Zulassung von separaten Wählerschaften für Muslime. Außerdem wurde 1912 die Teilung Bengalens wieder rückgängig gemacht.
Rowlatt Act 1919
Aufgrund des Ersten Weltkrieges wurden vom britischen Parlament für Indien Notstandsgesetze verabschiedet. Diese Gesetze ermöglichten eine willkürliche Verhaftung von Indern, mit der ausreichenden Begründung des Verdachts staatsfeindlicher Aktionen. 1919 wurden im so genannten „Rowlatt-Act“ [9] diese Notstandgesetze des Ersten Weltkrieges verlängert. Dieses führte in ganz Indien zu öffentlicher Aufruhr in der Bevölkerung und Empörung in der Nationalbewegung. „Eine Welle des Zornes empfing Sie in ganz Indien.“ [10]
Government of India Act 1919
Durch den „Government of India Act“ des Jahres 1919 - den so genannten „Montagu - Chelmsford Reformen – wurde die Kolonialverwaltung Indiens erneut umgestaltet. Dieses Reformpaket, vom „Secretary of State for India“ Montagu und dem amtierenden „Governor-General of India“ Lord Chelmsford vorbereitet und vom britischen Parlament verabschiedet, sah für die indischen Provinzen ein Regierungssystem der „Dyarchy“ [11] vor. Praktisch sollte dieses System eine Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen indischer und britischer Verwaltung realisieren. So wurde unterschieden zwischen einerseits „reserved subjects - wie Finanzen, Polizei und Grundsteuer, welche weiterhin in britischer Verwaltungshoheit blieben, und andererseits in „transferred subjects - wie Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft, welche nun indischen Provinzialministern unterstellt wurden. In den Provinzen wurden wählbare Parlamente eingeführt. Jedoch hatte wiederum der zuständige britische Provinz-Governour ein Vetorecht gegen alle Entscheidungen dieser Parlamente. Auf der Ebene der Staatsregierung wurden die gesetzgebenden Funktionen des bestehenden „Councils of India“ durch zwei gesetzgebende Kammern für Indien ersetzt, einen „Council of India“ - und eine zusätzliche gesetzgebende Versammlung. Auch hier hatte jedoch der „Governor-General of India“ weiterhin bedeutenden Einfluss und konnte durch sein Veto die Richtung der Politik bestimmen. Für den Indischen Nationalkongress blieben diese Reformen noch weit hinter den inzwischen laut ausgesprochenen Forderungen nach Selbstregierung („Swaraj“) [12] und Unabhängigkeit zurück.

Government of India Act 1935
Nach den Empfehlungen der Simon-Comission, welche 1927-28 die Auswirkungen der Montagu-Chelmsford Reformen von 1919 untersucht hatte, wurde 1935 vom britischen Parlament ein neuer „Government of India Act“ verabschiedet. Dieses Gesetz war das letzte umfangreiche Reformpaket [21], welches vor den Ereignissen des zweiten Weltkriegs und der darauf folgenden Unabhängigkeit Indiens vom britischen Parlament verabschiedet wurde. Die wesentlichen Vorschläge der Simon Kommission wurden in diesem Gesetz umgesetzt. Das Dyarchy System des „Government of India Acts“ von 1919 wurde abgeschafft und stattdessen in den Provinzen selbstverantwortliche Landesregierungen zugelassen. Jedoch bestand weiterhin die Möglichkeit, dass die Provinz-Gouvernore und der britische „Governor-General“ ihr Veto gegen Entscheidungen der Provinzregierungen einlegen konnten. Die Provinz-Gouvernore und der „Governor-General“ waren wiederum dem „Secretary of State for India“ in England verantwortlich. Daraus lässt sich ersehen, in welchem Umfang die britische Regierung ihren Anspruch auf die höchste Autorität im indischen Staat fortzuführen versuchte. Erstmals wurden Direktwahlen eingeführt. Das Wahlrecht wurde von 7 Millionen Wahlberechtigten auf 35 Millionen ausgeweitet. Weiterhin wurden die Grundlagen für eine All India Föderation gelegt. Die Umsetzung einer Föderation konnte jedoch bis 1947 durch die Fürstenstaaten verhindert werden. Ein beträchtlicher Teil des „Government of India Act” des Jahres 1935 wurde im Prozess der Verfassungsausarbeitung, in den Jahren 1947 bis 1949, in die Verfassung für das unabhängige Indien integriert, und ist bis heute in wesentlichen Teilen der indischen Verfassung erhalten geblieben.
Anmerkungen:
[6]Provided that any rule made under this Act by a governor in council, or by a lieutenant-governor, shall be submitted for and shall be subject to the sanction of the Governor-General in Council, and any rule made under this Act by the Governor-General in Council shall be submitted for and shall be subject to the sanction of the Secretary of State in Council”
[7]Minto - Morley Reformen” - “Secretary of State” Morley und “Governor-General of India” Minto
[8]Menon, V.P. “The Goal of British Policy” in: “The transfer of Power in India”, Princeton University Press, 1957
[9] [10] [11]„Dyarchy“ – von zwei verschiedenen Gewalten bestimmte Staatsform
[12]Swaraj“ - Selbstregierung
[13]Nehru 37 ( Nehru, Jawaharlal „Indiens Weg zur Freiheit“, Berlin, 1957
[14]Nehru 46 ( Nehru, Jawaharlal „Indiens Weg zur Freiheit“, Berlin, 1957
[15]Satyagraha“ - wörtlich: „an der Wahrheit festhalten“
[16]"Hartal“ - bezeichnet eine Form des Streiks; an diesem Tag blieben alle Läden geschlossen, die Menschen gingen nicht arbeiten und nicht einkaufen
[17]Nehru 78 ( Nehru, Jawaharlal „Indiens Weg zur Freiheit“, Berlin, 1957
[18] Nehru 88 ( Nehru, Jawaharlal „Indiens Weg zur Freiheit“, Berlin, 1957
[19] Hardgrave 34 Hardgrave, Robert L. Jr. „India, Government and Politics in a developing nation”, University
[21]
[22] „The British mistook the zamindars for landlords and under the Permanent Settlement confirmed them in their jurisdictions, thus creating a new class of wealthy landlords at the expense of the peasants.” Hardgrave 19 Hardgrave, Robert L. Jr. „India, Government and Politics in a developing nation”, University
[23] Le Monde Diplomatique Nr.7155/12.09.2003/S.12
Verwaltungsreformen Britisch-Indien 1773-1833
Verwaltungsreformen Britisch-Indien 1858-1861
Verwaltungsreformen Britisch-Indien 1892-1935
Sepoy-Aufstand - 1.Indischer Unabhängigkeitskrieg
Simon Commission 1927-1928
Round Table Conferences 1930-32




